Jannik Lipke

Technik, Autos, Software und co

Medien (in)kompetenz (Teil 3)

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich ein Beispiel für Medieninkompetenz gezeichnet und diese erklärt, im zweiten Teil ging es um ein Gegenbeispiel der Medienkompetenz und was Medienkompetenz überhaupt ist. In diesem Teil soll es nun darum gehen, weshalb so vielen Menschen Medienkompetenz fehlt und wie das in einer modernen Gesellschaft überhaupt passieren kann.

Erwerb der Medienkompetenz

Medienkompetenz sollte im Idealfall natürlich im Laufe der Entwicklung zum mündigen Erwachsenen erworben werden. Der Erwerb der Medienkompetenz ist also Bestandteil der Persönlichkeitsbildung1. Dieser These folgend, wäre es Aufgabe von Pädagogen, Kindern und später Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln. Doch hier beginnt bereits das Problem.

Diejenigen, die den Kindern Medienkompetenz vermitteln sollten, sind in der Regel nicht oder kaum mit dem Internet und sozialen Netzwerken aufgewachsen. Sie haben selbst also nie in dieser Form Medienkompetenz vermittelt bekommen, haben sie bestenfalls später erworben. Um das Thema nicht zu abstrakt werden zu lassen, werde ich erneut ein hypothetisches Beispiel konstruieren.

Beispiel einer hypothetischen Pädagogin

Person A ist Grundschullehrerin. Sie ist 1975 geboren, war zum Zeitpunkt, als mit dem iMac G3 einer der ersten weit verbreiteten, internetfähigen Personal Computer an den Markt ging also bereits 23 Jahre alt. Wirklich in Berührung gekommen mit dem Internet ist Sie erst Mitte der 2000er Jahre. also etwa mit 30 Jahren, als sie sich bei Facebook anmeldete. Heute ist Sie 45 Jahre alt, besitzt ein Smartphone, auf welchem WhatsApp, Facebook und einige weitere Dienste installiert sind. Sie kann diese durchaus benutzen und weitestgehend problemlos bedienen. Gelegentlich fragt sie ihre Kinder um Hilfe, wenn irgendwas am Handy nicht funktioniert, aber grundsätzlich kommt sie ganz gut damit klar.

Die Frage ist jetzt nur, wie soll Person A, die in der Realität gerne auch noch ein Stück weniger Technik-affin ausfallen kann, Kindern eine angemessene Medienkompetenz vermitteln ? Sie benutzt ihre Handy gerade so, wie es ihr genügt, hat auch wenig Interesse daran, viel Zeit in diese Technik zu stecken. Auch Ihren PC „bedient sie halt…“. Ein tiefergehendes Verständnis für Funktionsweisen, Strukturen etc. fehlt. Nicht grundlos ist LehrerIn kein Ausbildungsberuf sondern benötigt ein Studium. Um Lehrinhalte zu vermitteln, benötigt man ein tieferes Verständnis. Solange dieses fehlt, können Lehrende ihren Schülern keine Medienkompetenz vermitteln.

Umgang von Erwachsenen mit modernen Medien

Dies zeigt sich bereits bei der Bedienung von Geräten, wenn erwachsene Menschen sich von Kindern abgehängt fühlen („Die machen das heute ja so selbstverständlich“), ist an dieser Stelle jedoch noch kein signifikantes Problem. Das Bedienen eines Geräts lernen Kinder offensichtlich von selbst ganz gut. Problematischer sind hier Inhalte. Es reicht nicht, den Eltern eines Drittklässlers eine Kindersuchmaschine statt Google zu empfehlen, wenn das Problem nicht bei Google wartet. Das Problem wartet in sozialen Medien, Chatrooms, Blogs, Videoportalen und weiteren Plattformen.

Gänzlich ungeachtet der Eltern, die ihre Kinder missbräuchlich selbst ins Rampenlicht stellen und zu Internet-Stars aufbauen, bauen Kinder sich oft selbst ein gewisses Netzwerk auf. Dies ist soweit auch absolut in Ordnung, wenn es in einem sicheren Rahmen und unter Aufsicht geschieht. Dazu ist Aufklärung, Verständnis und ein Überblick nötig. Während den meisten Eltern und Pädagogen durchaus klar ist, was ins Internet gehört, was nicht und wie man was präsentieren sollte, fehlt ihnen oft Verständnis und Überblick.

Wenn ein Kind zu seinen Eltern sagt, dass es Youtube-Star werden will, findet diese Aussage oft wenig Verständnis. „Youtuber“ sind doch nur diese schrillen, lauten, nervigen Leute aus Videos, die über Computerspiele und Schminke reden. Dass „YouTuber“ oder besser gesagt „Webvideoproduktion“ inzwischen ein ernst zu nehmender Beruf ist und das, was die meisten Eltern im Kopf haben, eher den Klischee-Influencer beschreibt, kaum die Realität abbildet, wird dabei außer Acht gelassen. Als Folge fühlen Kinder sich oft nicht verstanden, verlassen die sichere Blase und probieren sich ohne Kontrolle selbst aus.

Wenn man es realistisch betrachtet, schießen neue gehypte soziale Netze immer schneller aus dem Boden, erst Facebook, dann Instagram, Snapchat, Musical.ly welches heute TikTok ist, Jodel und weitere. Kinder und Jugendliche wollen nicht auf einer Plattform mit ihren „uncoolen“ Eltern oder Lehrern sein, suchen sich immer neue Plattformen. Das hat zur Folge, dass eine Kontrolle für die Erwachsenen, welche mit den vielen modernen Mitteln nicht mitkommen (wollen) schwierig bis unmöglich wird. Selbst wenn also das Gefühl und Wissen um angebrachte Inhalte im Netz im Elternhaushalt bzw. bei zuständigen Pädagogen vorhanden ist, können diese nicht Eingreifen und kritisch mit den Kindern besprechen, was diese da eigentlich tun.

Medienkompetenz und Bildung

Doch auch das ist nicht alles. Medienkompetenz benötigt einen gewissen Grad an Bildung. Wenn jemand einfach unreflektiert die neueste Schlagzeile der Bild-Zeitung, welche ich jetzt einfach mal als weitestgehend anerkannten Konsens einer eher populistischen Zeitschrift zugrunde lege2, glaubt, dann kann man meiner Meinung nach nicht von einem Medienkompetenten Menschen sprechen. Auch wenn eine angenommene Korrelation zwischen niedrigem Bildungsgrad und Bild-Lesern vielleicht einen Schritt zu weit gegangen wirken könnte, zeigt die Media-Analyse von 2012 doch ein anderes Bild, haben doch nur 13% der Bild-Leser ein Abitur3.

Dies ist natürlich kein Wissenschaftliches Vorgehen, suche ich doch in den Zahlen den Beleg für meine These, statt umgekehrt, wie es korrekt wäre, doch genügend andere haben meine These bereits bestätigt, sodass ich diese einfach mal als gegeben annehmen werde. Was ist aber das Problem mit mangelnder Bildung und Medienkompetenz. Das Problem ist ganz einfach, dass falsche Nachrichten und unwissenschaftliches arbeiten nicht erkannt werden, Zusammenhänge missgedeutet oder nicht erkannt werden und vor allem, dass Behauptungen, die vorgeben, Fakten zu sein, nicht als solche erkannt und wahrgenommen werden, sondern als Fakten hingenommen werden. Dies kann einen signifikanten Teil der Bevölkerung beeinflussen, wie wir in der aktuellen Corona-Pandemie wunderbar beobachten können.

Da dies jedoch ein eigenes Thema füllen könnte, werde ich mich erstmal hierauf beschränken und dazu irgendwann einen eigenen Beitrag schreiben.

1: https://internetmarketing.berlin/medienkompetenz-kommunikation/medienbildung/
2: https://youtu.be/jXFUUX7ZKck
3: https://meedia.de/2013/01/24/analyse-der-typische-bild-leser/

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